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München
Wo Vergangenes lebt
Es gibt sie in jeder Stadt – diese Schauplätze, die eigentlich gar nicht mehr in unsere Gegenwart gehören, an denen man das Gefühl empfindet, durch ein Zeitfenster zu schauen, Fremdartiges oder verlorene Heimat zu sehen. An denen man sich fragt: Ist hier irgendetwas vergessen worden? Die erinnernd für einen bestimmten – manchmal auch ganz kleinen – Abschnitt in unserer Geschichte stehen. Die keinen Veränderungen unterworfen sind. Die in ihrer Geschlossenheit Anspruch auf Absolutheit stellen.

Diese Orte können völlig unterschiedlichen Zeiten entstammen, Ideen verkörpern oder einfach nur existieren, weil sie immer schon dagewesen sind. So sind die Ruderregattastrecke in Oberschleißheim aus den 70er und die Tribünen der Trabrennbahn in Daglfing aus den 50er und 60er Jahren zu dem Zweck entstanden, München in damals hochmoderner Bauweise im internationalen Spitzensport zu repräsentieren. Jetzt finden dort Partys und Flohmärkte statt, das Regenwasser bildet Tropfsteine an den Betondecken und vom Glanz der ehemaligen Aufgaben zeugt nurmehr die Monumentalität der Gebäude.

Umtriebig geht es dagegen beim traditionellen Münchner Pferdemarkt zu, der jeden ersten Samstagmorgen im Monat stattfindet. Mitten in der Stadt, im alten Schlachthofviertel, treffen sich Rosshändler und Kutscher, um nach wie vor per Handschlag ihre Geschäfte zu besiegeln. Das Hufgeklapper und das Wiehern der Pferde vermengt sich mit dem Sound der vierköpfigen Blaskapelle, während man sich um halb neun zum Fachsimpeln mit Bratwurst und Bier in der Imbissecke niederlässt.

In München lassen sich viele solche Orte finden. Vom schrulligen Traditionsladen über skurrile Veranstaltungen bis hin zu architektonischen Zeitzeugen können wir uns in Reportagen, Fotos und Interviews der eigenwilligen Atmosphäre früherer Tage annähern. Und dabei einen unüblichen Blickwinkel auf die Stadt gewinnen, in der wir im Moment leben. Ob die Charakteristika für die Zeit um 1900 oder für die 80er Jahre typisch sind, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass die Uhr stehengeblieben ist, dass also ein Stück Vergangenheit im Jetzt lebendig geblieben ist.
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